Unser Programm versteht als ein antirassistisches Programm, das sich vor allem mit dem Antiziganismus auseinandersetzt.

Unsere Bücher und Broschüren behandeln deshalb die Geschichte bzw. die Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma.

In den Beiträgen zur Antiziganismusforschung werden Tagungsbeiträge und Aufsätze von Mitgliedern der Gesellschaft für Antiziganismusforschung e.V. veröffentlicht.


Rassismus
Rassismus ist nicht nur ein Ausdruck von Vorurteilen,
ist nicht nur ein Ausdruck für Unterdrückung,
sondern
Rassismus ist ein Denksystem, das in Europa entstand, in dem die Menschen in hoch- und minderwertige Gruppen unterteilt werden.
Rassismus ist eine auf Vorurteilen, Bildern, Klischees und Stereotypen aufbauende, weitgehend „visuelle Ideologie“ (G. Mosse).

„Schönheit“, „Gesundheit“, „Normalität“ sind Begriffe, mit denen sich Rassisten ein Raster schaffen, Menschen zu kategorisieren und zu bewerten.
Rassismus war die Grundlage des Genozids an Juden und Sinti und Roma während der Herrschaft des Nationalsozialismus
Rassismus war die Grundlage für die Sterilisierung und Ermordung hunderttausender „Behinderte“
Rassismus ist die Grundlage für rechtsextremistische Übergriffe, Diskriminierungen von Minderheiten, Ausgrenzungen, Verfolgung bis hin zum Völkermord

Rassismus ist ein „Kernübel der Menschheit“ (I. Geiss)

Antiziganismus
Antiziganismus ist ein in den 1980er Jahren geprägter Begriff, der Vorurteilsstrukturen gegen die Minderheit der Sinti und Roma bezeichnet, eine Denkweise, die ein Bild des „Zigeuners“ zeichnet, das Sinti und Roma als „fremd“, „frei“, "kriminell" und „müßiggängerisch“ darstellt. Diese Bilder sind durch und durch rassistisch.

Dieser Antiziganismus richtet sich erstens gegen ein unangepasstes Verhalten einer Bevölkerungsgruppe und zweitens gegen eine ethnische Minderheit, der ein solches Verhalten als unveränderliche Wesensart unterstellt wird.

Antiziganismus in der zweiten Bedeutung richtet sich gegen Sinti und Roma und beinhaltet seit seinem Aufkommen im 18. Jahrhundert immer die Auffassung von der vererbten - „rassisch“ bedingten - Minderwertigkeit und Unverbesserlichkeit der Minderheit. Dieses rassistische Element oder die „rassistische Färbung“ entsteht schon vor dem rassistischen Antijudaismus, und darin liegt eine Ursache, die eine „Emanzipation der Sinti und Roma verhindert(e)“. (W. Wippermann)

Das heißt, wer als „Zigeuner“ bezeichnet wurde, galt als „unverbesserlich“. Eine Integration der Minderheit wurde damit systematisch verhindert, weil die Gruppe bzw. die von ihnen entworfenen Bilder als Sündenböcke bzw. als Elemente des Nichtbürgerlichen in der bürgerlichen Welt funktional eingesetzt werden konnten. Integration heißt in diesem Zusammenhang Aufnehmen einer Minderheit in die Mehrheitsgesellschaft, ohne daß die Minderheit dabei ihre Identität verliert. Damit ist ausdrücklich nicht Assimilierung, bedingungslose Anpassung der Minderheit an die Mehrheit gemeint, die im 18. Jahrhundert von sogenannten aufgeklärten, absoluten Herrschern unternommen wurden. Diese Versuche zur Zwangsassimilation im Zeitalter und unter dem Banner der Aufklärung scheiterten zum Teil völlig. Die Kommunikation der Minderheit mit der Mehrheitsbevölkerung wurde auf ein Minimum reduziert; gleichzeitig wurde das Zusammengehörigkeitsgefühl der Minderheit gestärkt. Assimilation im Einzelfall um den Preis der völligen Aufgabe der eigenen Kultur und Verbindung zu den übrigen Mitgliedern der Minderheit hat es gegeben, waren aber die Ausnahmen. Wesentlicher für die weitere Entwicklung waren die „Zigeunerbilder“, die erstellt wurden. Da gab es zum Beispiel das Bild der „müßiggängerischen“ Menschen, denen unterstellt wurde, bettelnd und frei, auch von Schutz, umherzuziehen, eben als „Zigeuner“. Diese sollten gezwungen „sesshaft“ zu werden und abhängig zu arbeiten, denn sie wurden beneidet wegen der unterstellten Freiheit und Unabhängigkeit von staatlichem Zwang und täglicher, abhängiger Erwerbsarbeit. Diese Bilder oder Projektionen waren aber durchaus notwendig für die Mehrheitsbevölkerung, um vor allem von gesellschaftlichen Mißständen ablenken zu können, seien es mangelnde Freiheit, Unterdrückung oder Ausbeutung.

Obwohl die antiziganistischen Vorurteilsstrukturen nachhaltig wirkten, lebten Sinti und Roma innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft, als Teil dieser Gesellschaft, sei es im Handwerk, Handel oder Kunst, aber auch als Arbeiter. Aber jegliche Form von Teilnahme an der Gesellschaft, eine bedingte Anpassung, durchbrach nicht das Grundraster des Antiziganismus, ähnlich wie auch der Antisemitismus nicht durch angepaßte Juden beseitigt werden konnte.
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